Spielanalyse: 1. FC Köln – BVB 1:3

Zweiter Spieltag in der Bundesligasaison, zwei Traditionsvereine treffen sich unter Flutlicht zum Duell beim Aufsteiger. Bundesligarückkehr des FC, eine wahnsinnige Stimmung im Stadion, die Vorzeichen hätten kaum besser sein können. Leider versauten die Dortmunder spät einen Punktgewinn des FC, der sicherlich im Rahmen des Möglichen gewesen wäre. Aber zunächst einmal der Reihe nach…

Kölner 4-4-2 gegen Dortmunder 4-2-3-1…
Der Gastgeber zeigte von Beginn an, wieso er eine Bereicherung für die Bundesliga sein kann. Eine mutige, taktisch bestens eingestellte Kölner Elf bereitete dem Titelanwärter gleich Probleme. Gegen das bekannte 4-2-3-1 des BVB agierten die Beierlorzer-Jungs in einem 4-4-2, welches sich zunächst als Rautenformation, später jedoch mit einer flachen Formation im Mittelfeld darstellte.
Besonders der Neuzugang Skhiri hatte auf der Zehnerposition die Aufgabe die Dortmunder Strippenzieher in Person von Witsel und Weigl aus dem Spiel zu nehmen. Diese Idee wurde jedoch nach einer knappen Viertelstunde verworfen, die Kreise der beiden Dortmunder Denker blieben trotzdem bestens eingeengt. Als klassische Lösung für solche Situationen bewegten sich Weigl und Witsel in den Halbräumen und einer der zwei ließ sich tief in die eigene Abwehrkette fallen. Durch eine engmaschige FC-Grundordnung mit auffällig wenig Abstand zwischen der Mittelfeldreihe und den Stürmern gelang es dennoch insbesondere den beiden Angreifern Modeste und Cordoba immer wieder von hinten zuzustechen und die BVB-Sechser in ihrem eigenen Rücken zu attackieren. So konnten die defensiven Mittelfeldspieler der Schwarz-Gelben entscheidend im Spielaufbau gestört werden. Gepaart mit situativen Pressingsituationen machte der 1. FC Köln dem großen BVB das Leben schwer.

Hoch und weit…
Neben der defensiven Ordnung hatte der FC auch einige Lichtblicke auf der anderen Spielfeldseite zu verzeichnen. Hier mag es auf den ersten Blick unkonventionell erscheinen, da das Stilmittel stets einen etwas verpönten Beigeschmack hat. Jedoch wurden die Kölner zu dieser Art und Weise des Aufbauspiels gezwungen aufgrund fehlender spielerischen Klasse – der „lange Ball“ wurde so eine beliebte Idee das Spiel aufzuziehen. Besonders hervorzuheben sind hier wiederum die zwei bulligen Sturmkanten der Heimelf. Modeste und Cordoba verhielten sich äußerst geschickt, wenn sie mit Langholz gefüttert wurden. Durch die nötige physische Komponente entschieden sie viele Luftduelle für sich und legten die Bälle entweder ab oder verlängerten sie. In beiden Fällen ermöglichte dies der Mittelfeldreihe das Nachrücken und somit das weitere Offensivspiel. Gerade in so einem Spiel ist das natürlich Gold wert. Die zwischenzeitliche Führung fiel nach einem Eckball von der rechten Seite, den Shkiri auf den langen Pfosten verlängert. Drexler bedankte sich und versenkte zu seinem ersten Bundesligatreffer. Ein Tor, wie man es sich in einem solchen Spiel nach einer Standardsituation wünscht. Der Matchplan griff lange Zeit wunderbar, aber dann… Später dazu mehr.

Disziplinierte Kölner gegen ideenlose Borussen…
Der BVB konnte auf der anderen Seite seine optische Überlegenheit zu selten in brauchbare Aktionen ummünzen. 73 % Ballbesitz, der Großteil davon aber absolut ungefährlich. Nur vereinzelt konnte die Kölner Hintermannschaft in Verlegenheit gebracht werden. Zwischen Abwehr und defensivem Mittelfeld fehlte der Anschluss zur gefürchteten Offensivreihe. Das Mittelfeldquartett der Gastgeber wurde kaum einmal überspielt, sodass speziell in der ersten Halbzeit nur wenig Futter für Hazard, Reus, Sancho und Alcacer kam. Mangelnde Kreativität, kaum Lösungsansätze, untypisch für Schwarz-Gelb. Die Offensivbemühungen der ersten 45 Minuten standen ganz im Zeichen der individuellen Klasse und Einzelaktionen. Die tiefe Grundordnung des 1. FC Köln ermöglichte kaum Räume für gefährliche Läufe in die Tiefe. Man verpasste es Druck auf die stellenweise sichtlich nervöse Defensive auszuüben und verfiel in ein Ballgeschiebe ohne ausreichendes Tempo. Zu erwähnen ist an dieser Stelle der Bundesligadebütant Bornauw, der in der Kölner Innenverteidigung agierte. Er wirkte oftmals unsicher und fand erst mit zunehmender Spieldauer besser rein.
Die grundsätzliche Frage, die sich bei einem solchen Spielverlauf nun stellt, ist diejenige, ob sich der BVB nun schlecht angestellt hat oder die Kölner einfach nicht mehr zugelassen haben und eine tolle Leistung ihrerseits gezeigt haben.

Favres taktischer Kniff und die offensive Klasse des BVB…
Über einen Kölner Punktgewinn hätte an dieser Stelle berichtet werden können, wenn da nicht der Eingriff von Lucien Favre in der 61. Spielminute gewesen wäre. Mit einem Doppelwechsel brachte er Hakimi und Brandt, stellte zudem auf ein 4-1-4-1 mit Witsel im defensiven Mittelfeld sowie Brandt und Reus auf den 8er-Positionen um. Gerade der agile Julian Brandt iniitierte durch vertikale Pässe durch die Ketten immer wieder tolle Aktionen. Diese Umstellung kann ohne weiteres als Knackpunkt des Spiels bezeichnet werden, da sich das Auftreten der Dortmunder von der einen auf die andere Sekunde grundlegend verändert hat. Mehr Bewegung, geschicktes Erkennen von Räumen in der Kölner Hälfte sowie die nötige Entschlossenheit brachten die Wende. Ein Indiz dafür ist der Führungstreffer von Hakimi, der sich mit Nachdruck in eine Rechtsflanke von Piszczek schraubt und den Ball in die Maschen köpft. Der zwischenzeitliche Ausgleichstreffer dürfte den FC jedoch am meisten wurmen. Eine kurz ausgespielte Ecke wurde von Hazard auf Sancho gegeben, der unwiderstehlich mit links ins lange Eck versenkte – ein Tor, wie man es in der Bundesliga nicht kassieren darf. Die Unaufmerksamkeit wurde prompt bestraft und gab dem BVB den nötigen Aufschwung. Der 1:3-Endstand durch Alcacer wurde der Vollständigkeit durch einen Konter gegen eine weit aufgerückte Kölner Mannschaft erzielt – Formsache der der Qualität des BVB, Sancho auf Paco und eingetütet war der zweite Saisonsieg im zweiten Spiel.

Fazit: Es sah lange nicht danach aus, dass der BVB die Punkte mitnimmt. Ein griffiger Kölner Matchplan gepaart mit Dortmunder Ideenlosigkeit. Der Umschwung kam zum rechten Zeitpunkt, dürfte aber dennoch für verdrießliche FC-Gesichter sorgen ob der Art und Weise des Ausgleichstreffers.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.