Mentale Stärke im Fußball: die Rolle des Trainers

Wie in inzwischen allgemein bekannt, ist die Leistungserbringung und daraus resultierender Erfolg nicht allein von der physischen Konstitution eines Spitzensportlers abhängig. Auch die psychologischen Kompetenzen spielen gerade in Drucksituationen wie Meisterschaftsspielen eine entscheidende Rolle. Eine dieser Kompetenzen ist die mentale Stärke (engl. mental toughness), also die psychologische Fähigkeit, Anforderungen und den damit verbundenen Druck zu bewältigen.

Die allgemeine mentale Stärke hängt maßgeblich von frühen Kindheitserfahrungen der Spieler ab. Die Eltern haben dabei mit ihrer Art der Erziehung und dem Vorleben von Werten eine große Bedeutung. Die sportartspezifische mentale Stärke und in unserem Fall die fußballspezifische mentale Stärke wird stark durch die Fußballerfahrungen geprägt, die im Laufe der Karriere gesammelt werden. Der Trainer kann die Entwicklung der mentalen Stärke durch positive Erfahrungen entscheidend beeinflussen. Wie das funktioniert, hat eine australische Studie (Jokuschies et al., 2012) untersucht.

Studienerkenntnisse

In der Studie wurden elf australische Elite-Trainer befragt und deren Antworten durch statistische Verfahren ausgewertet. Aus den Interviews konnten so fünf zentrale Kategorien gebildet werden, die die Rolle des Trainers in der Entwicklung der mentalen Stärke der Spieler beschreiben. Vier der Kategorien fördern diese Entwicklung: die Spieler-Trainer-Beziehung, die Coaching Philosophie, die Trainingsbedingungen und spezifische Strategien. Negative Einflüsse und Erfahrungen hemmen dagegen die Entwicklung der mentalen Toughness.

Förderung der mentalen Stärke

Trainer-Spieler-Beziehung:
Über die Beziehung zwischen Trainer und Spieler haben wir bereits in einem vergangenen Beitrag gesprochen . Auch Jokuschies et al. (2012) halten eine positive Beziehung mit der Bereitschaft zur langfristigen Aufrechterhaltung für förderlich. Die Spieler müssen ihrem Trainer trauen und vertrauen, beide Seiten sollten offen miteinander kommunizieren. Der Trainer dient zusätzlich als informative (sportliche Beratung) und emotionale Unterstützung.

Coaching Philosophie:
Auch das Coaching haben wir kürzlich ausführlich behandelt (hier), die Philosophie ist außerdem stark von dem jeweiligen Trainerstil abhängig. Auf alle Fälle ist dabei eine Priorisierung der Spielerentwicklung über dem Trainererfolg wünschenswert. Zudem soll den Spielern ein Verständnis von Fußball vermittelt und deren Selbstbewusstsein gesteigert werden.

Trainingsbedingungen:
Der Trainer sollte seine Spieler kontinuierlich Druck- und Wettbewerbssituationen aussetzen und somit deren mentale Stärke herausfordern. Nur so können die Spieler ans Limit gebracht werden. Außerhalb des Trainingsbetriebs können auch wöchentliche Aufgaben oder Übungen die Spieler zusätzlich fordern.

Spezifische Strategien:
Hierunter fallen verschiedene Aspekte des Trainers und des Coachings. Förderlich für die Entwicklung der mentalen Stärke ist z.B. die Entwicklung von Spielverständnis der Spieler. Zudem sind laut der australischen Trainer persönliche Gespräche ein wichtiger Aspekt. Der Trainer selbst sollte vor allem positiv verstärken (also loben) und ermutigen und alle Spieler gleichbehandeln. Wie auch die Spieler sollte ein Trainer zudem aus den eigenen Fehlern lernen und offen sein für neue Erfahrungen und Erkenntnisse.

Hemmung der mentalen Stärke

Negative Einflüsse und Erfahrungen:
Negative Einflüsse sind bspw. den Erfolg über die Spielerentwicklung zu stellen oder sich auf die Schwächen der Spieler zu fokussieren statt auf deren Stärken. Auch niedrige oder unrealistische Erwartungen hemmen die Entwicklung der mentalen Stärke, wie es auch bei einfachen oder nicht herausfordernden Trainingsbedingungen der Fall ist.

Fazit: Die mentale Stärke einer Mannschaft kann Spielsituationen, wenn nicht sogar ganze Spiele entscheiden. Es macht deshalb Sinn, sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen. Die vorgestellten Aspekte zur Förderung der mentalen Stärke sind relativ leicht umzusetzen und bei einigen Trainern zum Teil sicher schon im alltäglichen Verhalten integriert. Andere Aspekte wiederum werden sicherlich noch nicht mit der nötigen Konsequenz umgesetzt (wie z.B. die Priorisierung der Entwicklung über dem Erfolg) und sollten sich deshalb regelmäßig ins Gedächtnis gerufen werden. Ein Trainer sollte deshalb sensibel mit sich selbst umgehen und sowohl das eigene Verhalten reflektieren, als auch empfänglich für die Meinungen oder Anregungen anderer Personen (Spieler, Mitarbeiter, etc.) sein. So kann sich nicht nur die mentale Stärke der Spieler entwickeln, sondern auch die eigene Trainerqualität.

Jokuschies, N. M., Weidig, T., Röthlin, P., & Birrer, D. (2012). Mentale Stärke im Fussball. Leistungssport.

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