Training der Aufmerksamkeitsregulation: die Aufmerksamkeit spielerisch steigern

Die Konzentration und die Aufmerksamkeit der Spieler bestimmen deren Leistung maßgeblich mit. Für eine optimale Leistung gilt es, den Fokus auf die momentane Aufgabe zu lenken (die Spielsituation/die Trainingsübung) und Störfaktoren oder Ablenkungen (z. B. durch Zuschauer) auszublenden. Man spricht dabei von Aufmerksamkeitsregulation.

In diesem Beitrag möchten wir euch anhand einer Studie von Müller et al. (2012) zunächst die vier Dimensionen der Aufmerksamkeit vorstellen. Anschließend zeigen wir euch, auf welche Aufmerksamkeitsformen es im Fußball ankommt und wie die Aufmerksamkeitsregulation spielerisch trainiert werden kann.

Die vier Dimensionen der Aufmerksamkeit

External-eng: Die Aufmerksamkeit liegt außerhalb der eigenen Person (external) und bestimmte Aspekte werden sehr genau betrachtet (eng). Ein Beispiel wäre z.B. das defensive 1 gegen 1, bei dem ich mich genau auf die Aktionen (eng) des direkten Gegenspielers (external) konzentrieren muss.

External-weit: Die Aufmerksamkeit liegt erneut außerhalb der Person (external) und ermöglicht ein umfassendes Bild der Umgebung (weit). Auf diese Weise können viele Informationen der Umwelt aufgenommen werden. Bspw. kann ein Innenverteidiger so auf einen Blick die Positionen seiner Mitspieler und der Gegner analysieren und ggf. die Position seiner Mitspieler korrigieren.

Internal-eng: Die Aufmerksamkeit wird auf einen bestimmten Prozess oder Vorgang (eng) des eigenen Körpers oder der eigenen Psyche (internal) gelenkt. So zum Beispiel der Elfmeterschütze, wenn er seinen Schuss in Gedanken durchgeht.

Internal-weit: Die Person macht sich ein umfassendes Bild (weit) der eigenen Befindlichkeit, des eigenen Zustandes (internal). Z.B. hat ein Spieler vor dem Spiel ein gutes Gefühl und fühlt sich topfit.

Aufmerksamkeitsformen im Fußball

Wie bereits anhand der Beispiele ersichtlich, sind alle Dimensionen der Aufmerksamkeit im Fußball von Bedeutung. Jedoch sind im Spiel gerade die externalen Aufmerksamkeitsformen wichtig, weil jegliche Spielsituationen von den eigenen Mitspielern und den gegnerischen Spielern abhängen. Dazu muss die Aufmerksamkeit größtenteils außerhalb der eigenen Person liegen.

Durch die externale-weite Aufmerksamkeit können möglichst viele Informationen über sämtliche Faktoren des Spiels eingeholt werden (z.B. Position des Balls, der eigenen und gegnerischen Spieler). Durch die external-enge Aufmerksamkeit kann sich präzise auf die Aktionen des Gegenspielers eingestellt werden, um ihn z.B. auszuspielen oder nicht ausgespielt zu werden.

Training der Aufmerksamkeitsregulation

Übungsform 1:

  • Wie in der Abbildung dargestellt, werden vier gleich große Quadrate aufgebaut
  • Jeweils eine halbe Mannschaft besetzt ein Quadrat, sodass die Gruppen sich diagonal gegenüber befinden und zwei Quadrate frei bleiben
  • Im Quadrat werden jeweils technische Übungen durchgeführt (Finten, Dribblingvarianten, Pendeln…)
  • Der Trainer gibt nun optische Signale an die Mannschaft
  • Hochhalten eines gelben Leibchens: Feldwechsel im Uhrzeigersinn
  • Hochhalten eines orangenen Leibchens: Feldwechsel gegen den Uhrzeigersinn
  • Hochhalten eines Balls: Feldwechsel diagonal
  • Hochhalten der Hände: Eine Runde mit Ball im Uhrzeigersinn
  • Zu beachten: die optischen Signale und Aufgaben können beliebig variiert und erweitert werden, sollten die Spieler aber nicht überfordern. Der Trainer kann seine Position während der Übung ständig verändern.

External-eng: Beobachtung des Trainers/der visuellen Reize, Wahrnehmung der kreuzenden Mitspieler
External-weit: Orientierung in der Umgebung zur Umsetzung der Aufgabe, Aufnahme vieler Informationen (z.B. Spielerpositionen)

Übungsform 2:

  • Übungsaufbau von Übung 1, wobei die Hütchen aller Quadrate nun zwei unterschiedliche Farben haben sollen
  • Wieder bewegen sich die Spieler im Quadrat und bewältigen technische Aufgabe
  • Diesmal ruft der Trainer eine Hütchenfarbe und hält gleichzeitig ein Leibchen in die Luft
  • Zunächst müssen die Spieler nun das Hütchen der entsprechenden Farbe berühren, anschließend müssen sie nach Leibchenfarbe den Feldwechsel (wie in Übung 1) durchführen
  • Zu beachten: wieder können die Signale und Aufgaben variiert und erweitert werden. Die Spieler können auch selbst Vorschläge machen.

External-eng: Beobachtung des Trainers/der visuellen und auditiven Reize, Wahrnehmung der kreuzenden Mitspieler
External-weit: Orientierung in der Umgebung zur Umsetzung der Aufgabe, Aufnahme vieler Informationen (z.B. Spielerpositionen)

Übungsform 3:

  • Aufbau gemäß der Abbildung
  • Die Spieler dribbeln durch den Parcours und anschließend um das Hütchen
  • Der Spieler muss vor der Schusslinie abschließen und versucht ein Tor zu erzielen
  • Alle anderen Spieler stehen hinter und neben dem Tor und versuchen ihn die gesamte Übung durch Zurufe, Schreie und wilde Bewegungen zu irritieren
  • Zu beachten: Die Aufgabe kann durch Pässe oder neue technische Übungen erweitert und verändert werden. Die Aufgabe sollte fordernd sein, aber nicht überfordernd, da sonst die Erfolgsaussichten zu gering sind. Die Übung kann als Wettbewerb gespielt werden, bei dem jeweils das andere Team den Schützen verunsichern soll.

External-weit: Orientierung im Raum, Übungsablauf
External-eng: Beobachtung des Torwartverhaltens, Ausblenden von anderen externalen Faktoren (Zurufe, Ablenkungen)
Internal-eng: Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper (die Füße) zur Durchführung der technischen Aufgabe richten

Fazit: Die Aufmerksamkeit kann durch kognitive Aufgaben trainiert werden und wird in vielen Trainingseinheiten bereits beiläufig mittrainiert. Entscheidend ist es, altersgerecht zu trainieren und die Spieler angemessen zu fordern. Eine optimale Leistungsverbesserung kann sowohl in Bezug auf technische oder taktische Fähigkeiten als auch in Bezug auf die Aufmerksamkeitsregulation nur erzielt werden, wenn die gestellten Aufgaben die Spieler weder unter- noch überfordern. Die Signale, auf welche die Spieler mit der entsprechenden Handlung reagieren müssen, sollten dabei überwiegend optische/visuelle Reize sein. Schließlich dominieren auch im tatsächlichen Spiel die optischen/visuellen Reize. Das Stellen von kognitiven Aufgaben bietet außerdem einen weiteren Mehrwert: Es hilft nicht nur die Aufmerksamkeit zu verbessern, sondern auch andere kognitive Funktionen wie Flexibilität oder Variabilität zu steigern.

Müller, C., Pocan, R., Pöschl, J. S., Stredak, D., & Nimz, G. (2012). Systematisches Training der Aufmerksamkeitsregulation am Beispiel der Sportarten Fußball und Boxen. Zeitschrift für Gesundheit und Sport2(1), 67-77.

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