Verletzungsprävention (Teil 1) – Krafttraining

Im letzten Beitrag in unserem Bereich „Soccer Science“ ging es um typische Verletzungen, die bei Fußballern auftreten können, und welche Körperregionen vor gewöhnlich betroffen sind. Das Fazit aus diesem Beitrag war deutlich:

„Sowohl muskuläre Verletzungen der Oberschenkelmuskulatur als auch Sprunggelenksverletzungen können mit gezielter Verletzungsprävention minimiert oder sogar komplett verhindert werden!

In diesem ersten Teil zum Thema Verletzungsprävention soll es heute um eine Maßnahme gehen, durch die Verletzungen mit präventivem Training minimiert oder sogar komplett verhindert werden können.
Dabei handelt es sich um ein gezieltes Krafttraining für eine erfolgreiche Verletzungsprävention.

Fakt ist: die Muskulatur eines Spielers muss besser auf die fußballspezifische Belastung vorbereitet werden, um Verletzungen zu vermeiden. Wie Greig und Siegler bei einer Studie zur Untersuchung von Verletzungen der ischiocruralen Muskulatur (hintere Oberschenkelmuskulatur) im Jahr 2009 herausgefunden haben, führt die exzentrische Belastung der Muskulatur durch hohe Kraftspitzen zur Ermüdung und dadurch zur Verletzungsanfälligkeit. Aus diesem Grund macht es Sinn durch ein gezieltes Training diese Kraftspitzen zu simulieren und die Muskulatur entsprechend darauf vorzubereiten. Dies gilt nicht nur explizit für die ischiocrurale Muskulatur, sondern insgesamt für die stark beanspruchten unteren Extremitäten und auch für die damit verbundene Rumpfmuskulatur im weiteren Verlauf des Körpers.
Allen, Lamp & Westerblad bestätigten 2008 in ihrer Studie die Tatsache, dass Krafttraining zu einer erhöhten Ermüdungsresistenz der Muskulatur führt und dazu entscheidend zur Verletzungsprävention beiträgt.
Zudem sorgt ein regelmäßiges Krafttraining zur Halbierung aller Überbelastungsverletzungen (Lauersen et al., 2014).

Die während eines Spiels oder einer Trainingseinheit benötigte Kraftfähigkeit ist die sogenannte Maximalkraft (100 % Repitition Maximum), mit deren Subkategorien Schnellkraft, Reaktivkraft und Kraftausdauer.

Hierarchische Gliederung der Kraft in verschiedene Kraftarten und
ihre Komponenten (nach Grosser, Starischka & Zimmermann, 2008, S. 41). 

Ein für die unteren Extremitäten durchgeführtes Maximalkrafttraining mit explosiven exzentrischen Bewegungsanteilen und betonten konzentrischen Bewegungsanteilen simuliert daher die fußballspezifische Belastung optimal. Eine Kombination von Maximalkraft- und Schnellkrafttraining bewertet Weineck (2004) als eine sehr sinnvolle Variante, um die Kraftfähigkeit eines Fußballers zu verbessern und dies gilt auch im Bezug auf das Krafttraining als Verletzungsprävention.

Die schon erwähnte gute Rumpfstabilität ist zusätzlich unerlässlich im Bereich der Verletzungsprävention (Hibbs et al., 2008) und auch der Effekt eines regelmäßigen Core-Trainings auf die Leistungsfähigkeit im Fußball ist deutlich erkennbar (Lehmann 2006). Die Bedeutung der Kraftübertragung auf die im Fußball so beanspruchten unteren Extremitäten und die stabilisierende Funktion in Lauf-, Sprung-, und Schussbewegungen, aber auch in Zweikämpfen machen eine gute Rumpfstabilität unumgänglich (Roetert, 2001). Eine fehlende Rumpfstabilität erhöht die Belastung auf die Muskulatur der unteren Extremitäten, welche zu einem zusätzlichen Verletzungsrisiko führt (Chumanov et al., 2007).

Ein wichtiger Aspekt im Bereich der Verletzungsprävention ist also ein gezieltes Krafttraining, welches vor allem für die unteren Extremitäten und die Rumpfstabilität von großer Bedeutung ist.
Hierbei ist nochmal wichtig anzumerken, dass das bloße Fußballtraining auf dem Platz nicht ausreicht, um genügend Beinmuskulatur aufzubauen. Um Dysbalancen und einseitige Belastungen zu vermeiden muss ein gezieltes Krafttraining ausserhalb der Fußballbelastung erfolgen. Dieses Krafttraining kann natürlich auch auf dem Platz (Zirkeltraining, etc.) und mit der ganzen Mannschaft durchgeführt werden.

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