Coachingtipp: Sehen statt Hören – Die Bedeutung von Visualisierung im Training

Der heutige Coachingtipp beschäftigt sich mit der methodischen Vermittlung von Trainingsinhalten. Diese bestimmt zum einen die Trainingsqualität (durch präzise inhaltliche Erklärungen) und zum anderen die aktive Trainingszeit (indem die entscheidenden Punkte anschaulich vermittelt werden und schneller mit dem aktiven Üben fortgefahren werden kann). Der Coachingtipp beschäftigt sich primär mit dieser zweit genannten Facette.

Nimm dir dafür bitte einen Moment Zeit und versetze dich in das folgende Szenario. Versuche außerdem die Übung zu verstehen:

Schritt 1: Du hast eine Passfolge konstruiert und aufgebaut, die über zwei Seiten gespielt wird und jeweils mit einem Torabschluss in ein Minitor endet. Also erklärst du deiner Mannschaft den Ablauf nach folgendem Muster:

  • Der erste Spieler dribbelt kurz an und passt zum zweiten Spieler am nächsten Hütchen
  • Dieser lässt den Ball klatschen während der andere Spieler nachläuft
  • Dann wird der Ball mit dem äußeren Fuß diagonal gespielt
  • Der Ball wird mit dem gegnerfernen Fuß klatschen gelassen auf den nachrückenden Spieler
  • Dieser spielt den Ball in die Tiefe des Mitspielers
  • Der Spieler schließt den Ball ins Minitor ab
Danke an easy2coach für die Bereitstellung der Grafiksoftware!

Schritt 2: Du hast den Ablauf zu Ende erklärt und fragst in die Runde, ob es noch Fragen gibt. Ein, zwei Spieler stellen ihre Fragen, die du ihnen direkt beantwortest.

Schritt 3: Also schickst die Spieler an die Hütchen, um die Übung zu starten. Was passiert? Die Spieler machen den Ablauf falsch oder haben ihn noch nicht verstanden, weshalb du alles noch einmal erklären musst. Diesmal lässt du den Übungsablauf durchspielen und erklärst die wichtigen Punkte an den verschiedenen Hütchen.

Schritt 4: Nun startet die Übung erneut, vereinzelte Spieler haben noch immer Probleme mit dem Ablauf, aber die Übung kommt so langsam ins Rollen. Endlich kannst du ins Technikcoaching übergehen.

So, das Gedankenexperiment ist damit zu Ende. Nun darfst du zu den unteren Abbildungen auf der Seite scrollen und dir die Lösung der Übung anschauen. Scrolle anschließend wieder hoch, um weiter zu lesen.

Was wollen wir euch damit sagen?
Eine Übung ist im Kopf des Trainers entstanden und erscheint absolut logisch. Für Spieler (vor allem Kinder), die die Übung noch nicht kennen, ist es jedoch wahnsinnig schwer, sich alle Abläufe genau vorzustellen und anschließend einzuprägen, selbst bei mehrmaligem Erklären. Wir haben euch unten vier Übungsabläufe vorgestellt. Ihr werdet nicht glauben wie viele weitere Möglichkeiten es gibt oder wie viele Möglichkeiten in den Köpfen der Spieler entstehen.

Wie solltest du eine Übung also erklären?

  • Versuche in Zukunft auf die Schritte 1 und 2 aus dem oberen Gedankenexperiment zu verzichten!
  • Stelle die benötigten Spieler direkt auf die Positionen und die restlichen Spieler an die Startpositionen
  • Nehme als Trainer selbst die Schlüsselposition der Übung ein, die an vielen Aktionen beteiligt ist (in dieser Passfolge der zentrale Spieler)
  • Lass den Ball nun in Zeitlupe von Position zu Position laufen und erkläre dabei die wichtigen Eckpunkte
  • Bei Bedarf dürfen anschließend noch Fragen gestellt oder ein zweiter Probedurchgang gespielt werden

Was wird dadurch erreicht?
Durch das Verzichten auf die Schritte 1 und 2 ersparst du dir eine Menge Zeit (schätzungsweise sind das 2-3 Minuten, was pro Spieler bestimmt 5-10 Ballaktionen sind)! Stattdessen visualisiert du direkt deine Übung und unterlegst sie mit den wichtigen technisch-taktischen Informationen! Die Spieler werden den Ablauf schneller verstehen, die Übung kommt schneller ins Laufen und du kannst dich schneller um deine Coachingpunkte kümmern.

1-mal gesehen ist 3-mal gehört!

Das gleiche Prinzip greift übrigens in unseren Beiträgen: Übungen ohne Bilder zur Visualisierung sind für die Leser kaum zu verstehen. Deshalb sollten auch deine Spieler den Übungsablauf direkt visualisiert bekommen!

Lösungsmöglichkeit 1:

Lösungsmöglichkeit 2:

Lösungsmöglichkeit 3:

Lösungsmöglichkeit 4: